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Südafrika


(© A.Dudy/fotolia.com)

Im Sommer 2010 wird erstmals eine Fußballweltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent ausgetragen, und Südafrika ist der Gastgeber des Mega-Events. Kaum ein anderes Land kann auf eine vergleichbar bewegte Vergangenheit zurückblicken und bietet damit aus sozialwissenschaftlicher Sicht derart vielfältige fruchtbare Forschungsfelder.

Die Geschichte des Staates Südafrika ist geprägt von seiner kolonialen Vergangenheit. 1652 begann die Siedlungsgeschichte der Niederländer am „Kap der guten Hoffnung“, die sich bis in die heutige Zeit erstreckt. Maßgeblich beeinflusst wurde diese Zeit durch zwei Faktoren: Zum einen die andauernde Rivalität der niederländischen Buren mit den Briten, die das Gebiet des heutigen Südafrikas für sich beanspruchten. Zwei Kriege, die so genannten „Burenkriege“, zeugen von der feindlichen Auseinandersetzung, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts von den Briten zu ihren Gunsten entschieden werden konnte.

Zum anderen war das Verhältnis der weißen, eingewanderten Buren zur schwarzen indigenen Bevölkerung von Beginn an von Rassismus und Suprematie der weißen Einwanderer geprägt. Nachwirkungen dieses zweiten, die Geschichte Südafrikas kennzeichnenden Faktors sind bis heute in der Politik, der Wirtschaft und der Gesellschaft des Staates spürbar.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gelang es der weißen Minderheit, ein menschenverachtendes System der Rassentrennung (Apartheid) zu installieren, das die schwarze Bevölkerung auf extreme Weise benachteiligte. Trotz massiver Repressalien konnte sich eine schwarze Widerstandsbewegung etablieren, die unter der Führung des African National Congress (ANC) erst im Untergrund, ab 1990 dann auch auf politischer Bühne für den Wandel kämpfte. Erst zu Beginn der 90er Jahre sollte sich der Erfolg einstellen. Die weiße Minderheit im Land beugte sich schließlich dem Druck, der nicht nur durch den verstärkten Widerstand im Innern, sondern auch durch zunehmende außenpolitische Isolierung auf internationaler Ebene rapide angewachsen war. So wurde ab 1990 die Apartheid Schritt für Schritt aus der Verfassung getilgt und die Transformation der politischen und gesellschaftlichen Machtverhältnisse eingeläutet. Bei den ersten freien Wahlen zeigte im April 1994 errang der ANC einen eindrucksvollen Sieg und wurde Regierungspartei. Nelson Mandela, der erste schwarze Präsident des Landes, setzte fortan auf eine Politik der Versöhnung. Unter dem Schlagwort „Rainbow Nation“ sollten die Bevölkerungsteile ohne Rücksicht auf die Hautfarbe zusammenwachsen.

Heute hat Südafrika mit zahlreichen Problemen zu kämpfen, die zum Teil noch auf die Apartheid zurückzuführen sind. Die soziale Schere zwischen schwarzer und weißer Bevölkerung klafft in der Regel weit auseinander. Slumbildung und eine hohe Kriminalitätsrate sind die Folgen. Darüber hinaus ist ein Anteil von 21,5 % der Gesamtbevölkerung mit dem Immunschwächevirus HIV infiziert.

International gilt Südafrika als verlässlicher Partner in der Staatengemeinschaft und stabiler Grundpfeiler Afrikas, auch unter dem seit Mai 2009 amtierenden Präsidenten Jacob Zuma. Daher wurde der Staat auch auserkoren, als erster afrikanischer Vertreter eine Fußballweltmeisterschaft auszurichten. Im Sommer 2010 wird also die ganze Welt ihren Blick auf Südafrika richten.

In fünf Kapiteln sind Literaturnachweise und Darstellungen zu Forschungsprojekten versammelt, die sich mit Südafrika auseinandersetzen. Folgende Aspekte werden abgedeckt: Politik, Gesellschaft und Wirtschaft in Südafrika, die Rolle des Staates auf internationaler Ebene, die gesellschaftliche Entwicklung im Zuge des Aussöhnungsprozesses sowie HIV und AIDS als schwerwiegendes gesellschaftliches und innenpolitisches Problem. Abschließend wird in einem fünften Kapitel die Weltmeisterschaft in Südafrika aus sozialwissenschaftlicher Perspektive beleuchtet.