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Gesundheitliche Ungleichheit


(© krissi3021/photocase.com)

Die Wechselbeziehungen zwischen Gesundheit und Gesellschaft bestimmen seit jeher die „klassischen“ Felder der Medizinsoziologie und sozialwissenschaftlichen Gesundheitsforschung. Die Ungleichheitsforschung wiederum spielt als Querschnittsthema in der gesamten Bandbreite der Sozialwissenschaften seit geraumer Zeit eine große Rolle, und so verwundert es nicht, dass auch zahlreiche Arbeiten im Feld der Gesundheit sich mit Ungleichheiten und Ungleichgewichten beschäftigen.

Dabei scheint zwar unbestritten, dass soziale Lebensbedingungen die Erkrankungswahrscheinlichkeit und Mortalität beeinflussen, die Frage, wie dies genau geschieht und über welche Mechanismen soziale in gesundheitliche Ungleichheit transformiert wird, ist Gegenstand der Diskussion und prägt verschiedene Erklärungsansätze.

Für die Sozialwissenschaften interessant ist zunächst, wie der Gesundheitsstatus überhaupt erhoben wird – mit Kennzahlen zu Morbidität, Mortalität und „healthy life years“ – und wie er zu sozialen, nicht-physiologischen Ursachen wie Einkommen, Bildung, Beruf in Beziehung gesetzt werden kann. Am Anfang steht der statistische Befund, dass auch in Staaten mit guter medizinischer Versorgung und insgesamt gutem Gesundheitszustand der Bevölkerung ausgeprägte sozial strukturierte Ungleichheiten bestehen, wie sie sich eindrucksvoll in der stark unterschiedlichen Lebenserwartung von Angehörigen der oberen und unteren Einkommensschichten manifestieren: je höher das Einkommen, desto größer die Chance auf ein langes Leben.

Auf welche Weise sich neben biologischen auch materielle, soziale und psychische Bedingungs- und Einflussfaktoren auf die individuelle Gesundheit auswirken, bedarf der weiteren Erklärung. Die Ansätze hierzu zeigen ein ganzes Geflecht von Einflussfaktoren zwischen Lebensstil und sozialer Lage. Je nach Erklärungsmodell werden unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt, z. B. auf die ökonomischen Ressourcen, die dem einzelnen zur Verfügung stehen, soziokulturelle Faktoren oder auch das Bewältigungsverhalten angesichts von Belastungen im Alltag oder krisenhaften Ereignissen.

Die vorliegende Ausgabe von „Recherche Spezial“ versammelt aktuelle Literatur- und Forschungsnachweise zum Thema in insgesamt sieben Kapiteln.